Unsere Mutmacherin Christin setzt sich mit ihrer Geschichte für die Krebsgesellschaft NRW ein

Krebs. Mama. Wir (i’m still smiling)

Christin hat einen Insta-Account, den viele gerne hätten – informativ, smart, mit großer Reichweite. Hier gibt sie Einblick in ihr Leben mit Krebs (Status: unheilbar). Und das müsste eigentlich jetzt der „Rauswerfer“ sein. Ist es aber nicht. Ihre Geschichte ist unfassbar! Unfassbar bewegend und voller Leben. Mit nur 29 Jahren bekam sie am 1. Oktober 2019 die Diagnose „Brustkrebs“. Da war sie in der 27. Schwangerschaftswoche. Eigentlich voller Vorfreude und Pläne zieht ihr die Krankheit den Boden unter den Füßen weg.

An den Tag der Diagnose kann sie sich nur in Teilen erinnern: „Ich weiß noch, dass ich lange gewartet habe und viele andere Dinge tun wollte“. Aber dann sah sie ihre Ärztin mit einer Broschüre unter dem Arm. Da wurde ihr zum ersten Mal klar: Das hier läuft irgendwie nicht so optimal. Es folgten viele Untersuchungen und unzählige Gespräche. Es mussten schwierige Entscheidungen für Mutter und Kind getroffen werden. Ihre ungeborene Tochter sollte schnellstmöglich geholt werden. „Ich wollte so lange wie möglich warten. Die Dringlichkeit habe ich schon gesehen, aber ich wollte für mein Kind den besten Start“, blickt sie zurück. Viele Gespräche überzeugen sie schließlich und ihre Tochter kam am 10. Oktober 2019 zur Welt.

Dann folgte sofort die Therapie, zuhause wartete ihr Neugeborenes. „Die erste Zeit war es sehr schwierig. In kürzester Zeit passierte so viel, dass es dich einfach überrennt. Rückblickend war ich mit allem überfordert“, erzählt sie. Mittlerweile hat sich Christin ein gutes Netzwerk aufgebaut. „Ich weiß, an wen ich mich wenden kann, wenn schwierige Situationen eintreten.“

Auf die Frage, was ihr damals geholfen hat, sagt sie: „Die Aussicht auf meinen ganz normalen, stressigen Alltag. Das war und ist was ich will. Ich bin gerne Mama und Ehefrau. Auf meinen Mann kann ich mich 100prozentig verlassen.“ Heute spürt sie ihr Leben viel intensiver. Das mag an „den ganzen Hormonen“ liegen und an ihrer Erkrankung, die sich zwar zurückdrängen lässt, aber immer da ist.

„Ich möchte nicht auf die Krankheit reduziert werden“, sagt sie: „Meine Prioritäten sind mein Mann und meine Tochter. Dafür würde ich alles tun.“ Auf die Frage, wie ihre Tochter mit der Situation umgeht, sagt sie: „Sie weiß, dass ich Krebs habe. Das Ausmaß kennt sie nicht.“ Es gab einen Schlüsselmoment, da fragte ihre Tochter, wann sie denn jetzt sterben würde. „Das hat mich dann schon umgehauen“, blickt Christin zurück. Gespräche mit einer Kinderpsychologin halfen bei der Einordnung. Die Frage nach dem Tod sei da völlig normal. Kinder haben nicht die Scheu, schwierige Themen anzusprechen, wie das später bei Erwachsenen der Fall ist. Wichtig ist Christin die Einbeziehung ihrer Tochter. „Ich erzähle ihr, dass ich Arzttermine habe, und dass ich Medikamente bekomme. Das ist für sie OK.“

Auf die Frage, ob sie selbst ebenfalls psychoonkologische Hilfe in Anspruch genommen habe, entgegnet Christin: „Am Anfang noch nicht. Da war es für mich zu früh. Später habe ich mir dann schon Hilfe gesucht und es hat mir in vielen Situationen sehr geholfen. Ich kann das jedem empfehlen.“ Über ihren Instagram-Kanal bekommt sie nahezu täglich Hilferufe. Die häufigste Frage: „Wie schaffe ich es, Hoffnung zu bekommen.“ Ihre Antwort: „Am Anfang hat man das einfach nicht. Am Anfang ist man überfordert und orientierungslos. Da ist es wichtig, eine vertraute Person zu haben, die immer dabei ist, die versucht, den Überblick zu behalten.“ Auch das Abgeben von Aufgaben, die in schwierigen Situationen dann mal warten müssen, kann entlasten. Die erste Zeit besteht meist aus warten und Angst haben.

Christin nutzt ihre Social Media-Reichweite aber nicht nur, um über sich zu berichten. Sie gibt wertvolle Tipps, muntert auf und – was ihr sehr wichtig ist – sie motiviert zur Krebsvorsorge: „Ich möchte vor allem junge Altersgruppen unter 30 erreichen, die sich (verständlicherweise) keine großen Gedanken über Früherkennung machen. Wem hört man eher zu? Mir oder dem älteren Frauenarzt?“ Der Erfolg gibt ihr Recht. Ihre Community hört sehr genau zu und wird stetig größer.

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