Gut vorbereitet – Leitfaden fürs ärztliche Gespräch

Krebstherapie ist Teamwork!

Ärztliche Gespräche vor oder während der Behandlung sind die Grundlage für alles. Verlaufen die Gespräche gut, geben sie Sicherheit und stärken das Vertrauen. Dies kann sich positiv auf den gesamten Therapieverlauf auswirken. Daher ist es wichtig, gut vorbereitet und selbstbewusst in ärztliche Gespräche zu gehen, um aktiv mitwirken zu können.

Die ambulante Krebsberatung befasst sich mit einem breiten Spektrum von Themen, auch die Kommunikation mit Ärztinnen und Ärzten kann in der Beratung Raum finden.

Der Austausch mit Menschen, die ähnliches erleben oder erlebt haben, kann im Umgang mit Fachkräften in unserem Gesundheitssystem hilfreich sein. In örtlichen und digitalen Selbsthilfegruppen finden Sie Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen.

 

Leitfaden zum Gespräch: Vor dem Gespräch

  • Nehmen Sie (wenn möglich) eine Vertrauensperson mit. Besprechen Sie vorher, ob diese eine aktive oder passive Rolle einnehmen soll. Wer macht Notizen?
  • Erstellen Sie sich eine Checkliste mit allen Dingen, die Sie besprechen oder fragen möchten.
  • Halten Sie Unterlagen bereit (Befunde, Medikationsplan), in ausgedruckter oder in digitaler Form.

Während des Gesprächs

  • Machen Sie sich Notizen.
  • Stellen Sie Fragen!
  • Wenn etwas unklar ist, fragen Sie nach. Es ist hilfreich, das Gehörte mit eigenen Worten zu wiederholen.
  • Sprechen Sie auch Ihre Sorgen und Ängste offen an.
  • Fragen Sie nach einem Kontakt, bei dem Sie sich in Notfällen oder bei weiteren Fragen melden können.
  • Fragen Sie nach weiteren Beratungs- und Unterstützungsangeboten.
Leitfaden fürs ärztliche Gespräch

Nach dem Gespräch

  • Schaffen Sie sich einen Überblick und notieren Sie noch offene Fragen für den nächsten Termin.
  • Bei Unsicherheiten gibt es die Option, eine ärztliche Zweitmeinung einzuholen.

Häufige Fragen

Warum sollte ich eine Begleitperson mitnehmen?

72% der Betroffenen berichten, dass ihnen die Begleitung durch eine vertraute Person wichtig war.

Die Gründe hierfür sind vielfältig:

• Zwei Ohren hören mehr als eins: Die zweite Person gibt ihnen Sicherheit und kann hilfreich sein, wenn man als Betroffener selbst mit der Situation und der Vielzahl von neuen Informationen überfordert ist. Des Weiteren kann sie nach dem Gespräch Informationslücken füllen, da sich Betroffene in der emotionalen Situation zwischen Diagnose und Therapieentscheidung häufig nicht mehr an alle Einzelheiten des Gespräches erinnern können.

• Emotionale Unterstützung: Es kann hilfreich sein eine Begleitperson dabei zu haben da diese einem seelisch und körperlich zur Seite stehen kann und eine neutralere Position im Gespräch mit Mediziner*innen bilden kann.

• Füllung von Informationslücken: Oft können sich Betroffene in der emotionalen Situation nicht an alle Einzelheiten des Gesprächs erinnern. Eine Begleitperson kann helfen, diese Lücken zu schließen und wichtige Informationen nach dem Gespräch zu wiederholen.

Es ist hilfreich, im Vorfeld des Gesprächs zu klären, welche Rolle die Begleitperson einnehmen soll. Möchte sie aktiv Fragen stellen und die Gesprächsführung übernehmen, oder soll sie sich passiv im Hintergrund halten und zuhören? Diese Abstimmung kann dazu beitragen, dass das Gespräch für alle Beteiligten produktiv und angenehm verläuft.

Welche Fragen kann ich im Gespräch stellen?

Sie dürfen im Gespräch mit den Mediziner*innen jederzeit alle Fragen stellen und genauere Erklärungen für sich einfordern.

Bitten Sie den Arzt/ die Ärztin gegebenenfalls darum das gesagte zu wiederholen. Es ist nicht schlimm, wenn Ihnen manche Fragen erst im Nachgang des Gespräches einfallen. Schreiben Sie diese auf uns nehmen Sie sie zum nächsten Termin mit.

Bestehen Sie auf die Beantwortung Ihrer Fragen, auch wenn der Arzt/ die Ärztin gestresst und unter Zeitdruck wirkt. Mediziner*innen neigen manchmal unbeabsichtigt dazu, mit den für sie alltäglichen Fachbegriffen zu kommunizieren, werden Ihnen aber bei Nachfrage immer genaueres dazu erklären können.

Warum ist Eigeninitiative so wichtig?

Patienten und Patientinnen die sich über Ihre Erkrankung und die verschiedenen Therapiemöglichkeiten eingehend informiert haben sind eher in der Lage eine aktive Rolle in Entscheidungsprozessen zu spielen. Ein aktives Engagement fördert eine offene und ehrliche Kommunikation.

Wenn Patienten und Patientinnen ihre Anliegen und Bedenken klar äußern, können Mediziner gezielter auf diese eingehen und Missverständnisse vermeiden. Sie können ihre individuellen Bedürfnisse und Präferenzen besser kommunizieren. Dies ermöglicht es den Medizinern, soweit es möglich ist Behandlungspläne zu erstellen, die auf ihre Umstände und Wünsche abgestimmt sind.

Nehmen Sie eine positive Haltung ein: die Ärzte und Ärztinnen wollen Ihnen helfen!

Was ist Gesundheitskompetenz und warum ist sie gut für mich?

Der Begriff „Gesundheitskompetenz“ umfasst das Wissen, die Motivation und die Fähigkeiten von Menschen, relevante Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und im Alltag anzuwenden.

Gesundheitskompetenz spielt bei der Gesunderhaltung und Krankheitsbewältigung eine wichtige Rolle.

Quelle: Bundesgesundheitsministerium

Gesundheitskompetenz beschreibt die Fähigkeit, sich über gesundheitliche Themen zu informieren und auf Basis dieser Informationen fundierte Entscheidungen zu treffen, die die eigene Gesundheit fördern oder Behandlungsoptionen betreffen.

Eine Person mit hoher Gesundheitskompetenz ist in der Lage, im Alltag Entscheidungen zu treffen, die sowohl der Prävention als auch der Bewältigung von Krankheiten dienen, wodurch sie ihre Lebensqualität langfristig erhalten oder sogar verbessern kann.

Zudem kann diese Person kritisch einschätzen, ob die Informationen aus vertrauenswürdigen Quellen stammen, was ihr hilft, die Glaubwürdigkeit der Informationen zu bewerten. Der Grad der Gesundheitskompetenz variiert individuell und ist abhängig von Faktoren wie Bildung, sozialem Umfeld und dem Zugang zum Gesundheitssystem.

Eine gesundheitskompetente Person nutzt aktiv die Möglichkeiten, die ihr in Gesundheitsfragen zur Verfügung stehen. Sie ist motiviert und in der Lage, zuverlässige Gesundheitsinformationen, Entscheidungshilfen, sowie seriöse und unabhängige Erfahrungsberichte von anderen Patienten und deren Angehörigen zu finden. Gesundheitskompetenz umfasst auch das Verständnis und die Bewertung von Nutzen und Risiken, die mit Informationen, Dienstleistungen und Produkten verbunden sind, und deren Berücksichtigung im Alltag.

Quelle: Deutsches Netzwerk Gesundheitskompetenz

Flyer: Gut vorbereitet ins Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt

Dieser Flyer unterstützt die Vorbereitung auf ärztliche Gespräche.
Eine Checkliste gibt Überblick über die wichtigsten Punkte, die helfen, gut vorbereitet und selbstbewusst in ärztliche Gespräche zu gehen.