26. Februar 2026

Interview zur Sache! Eine von 74 Frauen erkrankt an Eierstockkrebs

Anke erhielt mit Anfang 40 die Diagnose Eierstockkrebs – im fortgeschrittenen Stadium. Ganz aus heiterem Himmel kam das nicht, denn es ging ihr bereits zuvor sehr schlecht. Dennoch war die Diagnose ein Schock – eine Vollbremsung im Leben. Nach intensiver Therapie und einem langen Weg zurück in den Alltag hat sie ihr Leben wieder selbst in die Hand genommen. Und mehr noch: Sie spricht öffentlich über ihre Krankheit, über Schmerzen, Tabus, aber auch über Mut und neue Perspektiven. Im Gespräch erzählt sie von ihrem Weg.

Anke, bei dir wurde der Krebs erst sehr spät diagnostiziert. Zu diesem Zeitpunkt ging es dir bereits sehr schlecht. Lag es auch an den unspezifischen Symptomen, dass die Diagnose so spät gestellt wurde?

Anke: Ja, das denke ich schon – und sicher auch am Faktor „Alter“. Mit Anfang 40 hatte ich Eierstockkrebs überhaupt nicht auf dem Radar. Für mich war das eher eine „Oma-Krankheit“. Die Symptome sind zwar unspezifisch, aber interessant ist, dass viele betroffene Frauen ähnliche Beschwerden schildern. Es geht nicht nur um den aufgeblähten Bauch oder unregelmäßige Blutungen. Die Muster sind oft sehr ähnlich. Ich habe aber das Gefühl, dass der Zusammenhang in der Diagnostik häufig nicht früh genug gesehen wird.

Liegt das daran, dass viele Ärztinnen und Ärzte zu wenig Fälle erleben?

Anke: Mein Eindruck ist, dass es zu wenig gynäkologische Onkologinnen und Onkologen gibt. Bei mir wurde fünf Wochen vor der Diagnose im Rahmen der Vorsorge – inklusive Ultraschall – ein fast elf Zentimeter großer Tumor übersehen. Im Nachhinein fragt man sich natürlich: War das ein Einzelfall? Hätte man das erkennen können? Viele Frauen, mit denen ich Austausch habe, berichten Ähnliches. Für viele Ärztinnen und Ärzte scheint Aszites – also Flüssigkeit im Bauchraum – ein wichtiges Indiz zu sein. Den hatte ich aber nicht. Damit fiel ein typisches Kriterium weg.

Wie lange hat es gedauert – von den ersten Symptomen bis zur Diagnose?

Anke: Über ein Jahr. Der aufgeblähte Bauch war das erste Anzeichen. Zunächst habe ich es auf die Ernährung geschoben und viel umgestellt – kein Zucker mehr, kein Süßkram. Ich habe auch Gewicht verloren, aber nicht so drastisch, dass ich mir Sorgen gemacht habe. Dann kamen Schmerzen auf der linken Bauchseite dazu, bis ich dort nicht mehr liegen konnte. Außerdem Zwischenblutungen – das wurde als beginnende Wechseljahre erklärt. Es gab viele Vermutungen: Stress, Reizdarm. Dann entwickelte ich zusätzlich eine Autoimmunerkrankung, Dermatomyositis, die Haut und Muskeln angreift. Ich hatte Ausschlag am ganzen Körper und konnte irgendwann meine Arme nicht mehr heben. Mir fielen ständig Dinge aus der Hand. Da war klar: Irgendetwas stimmt hier ganz und gar nicht. Erst in der Uniklinik Bonn wurde die Diagnose dann gestellt – nach einer langen Odyssee.

Was ging dir durch den Kopf, als die Diagnose feststand? War bei allem Schock auch Erleichterung dabei, endlich Gewissheit zu haben?

Anke: Ja, absolut. Im Urlaub, als es mir sehr schlecht ging, hatte ich schon das Gefühl, dass es Krebs sein könnte. Warum, weiß ich nicht. Als die Diagnose dann da war, blieb keine Zeit zum Verarbeiten. Ich bin sofort in den Überlebensmodus geschaltet – funktionieren, weitermachen. Es ging mir so schlecht, dass klar war: Es muss jetzt etwas passieren. Anfangs war nicht einmal sicher, ob ich überhaupt operiert werden kann. Neben der Angst war da aber auch Erleichterung, weil ich mich zwischendurch gefragt hatte, ob ich mir manche Beschwerden vielleicht nur einbilde.

Hast du dich in der Klinik gut aufgehoben gefühlt?

Anke: Ja, definitiv. Sobald die Diagnose stand, gab es einen klaren Behandlungsplan. Und ich hatte das Gefühl: Das Team weiß genau, was zu tun ist. Ich habe ehrlich gesagt nie daran gezweifelt, dass es gut ausgeht.

Wann hast du entschieden, deine Erfahrungen öffentlich zu teilen?

Anke: Der Gedanke war tatsächlich früh da. Meine Frau ist Influencerin, also ist Social-Media bei uns privat ohnehin Thema. Nach dem Krankenhaus habe ich verzweifelt nach positiven Beispielen gesucht – nach Frauen, die länger als drei oder fünf Jahre mit dieser Diagnose leben. Ich habe kaum etwas gefunden, vor allem nicht in Deutschland. Bei aller Härte des Themas, ist mir auch Humor wichtig. Da dachte ich: Warum erzähle ich nicht selbst darüber? Ich habe sowieso nie ein Geheimnis daraus gemacht – weder im Job noch im Freundeskreis. Ich habe Krebs, warum also nicht darüber sprechen.

Wie waren die Reaktionen?

Anke: Sehr positiv. Viele betroffene Frauen haben mir geschrieben, mit Fragen, Unsicherheiten, Sorgen. Daraus entstand die Idee, meinen Alltag mit der Erkrankung zu teilen – und zu zeigen, was mir geholfen hat.

Welche Themen stehen für dich im Mittelpunkt?

Anke: Früherkennung – ganz klar. Und alles rund um Therapie und Lebensqualität. Dazu gibt es viele Unsicherheiten. Auf Instagram habe ich eine Gruppe gegründet, inzwischen sind wir 35 Frauen. Dort geht es um Austausch und gegenseitige Stärkung.

Fast wie klassische Selbsthilfearbeit.

Anke: Ja, vielleicht. Ich möchte einen echten Mehrwert bieten – und Aufmerksamkeit schaffen. Zum internationalen Eierstockkrebstag im Mai haben wir ein gemeinsames Reel produziert: „Eine von 74 Frauen erkrankt an Eierstockkrebs.“ Wir wollten dem Thema ein Gesicht geben. Das Projekt war sehr berührend.

Was hat es bewirkt?

Anke: Es hat vielen Mut gemacht. Das ist mein Ansatz: Ich möchte eine von denen sein, die lange damit leben und anderen Hoffnung geben. Die Krankheit ist Teil meines Alltags – aber mein Leben findet trotzdem statt – Mit allen Herausforderungen und das möchte ich zeigen.

Wie hat dein Umfeld reagiert?

Anke: Der Schock war groß. Aber auf unseren Freundeskreis war zu 100 Prozent Verlass. Während der Akuttherapie war meine Frau fünf Wochen rund um die Uhr im Krankenhaus bei mir. Ich konnte mich kaum bewegen und war komplett auf Hilfe angewiesen. Das Pflegepersonal leistet Unglaubliches, aber ist am Limit. Ich war froh, dass meine Frau bei mir war.

Viele berichten, dass sich Freundschaften durch so eine Diagnose verändern.

Anke: Ja, leider. Viele Frauen, mit denen ich spreche, erzählen, dass sich Freunde zurückziehen. Kommunikation ist dabei so wichtig. Auch zwei Jahre nach der Diagnose reden meine Frau und ich sehr viel – über Ängste, Sorgen, Strategien. Meine Angst ist, zu früh zu sterben. Ihre Angst ist, mich zu verlieren. Diese Gefühle sind unterschiedlich – und es hilft, sie auszusprechen, auch mal auszudiskutieren und zu streiten.

Gab es auf Social-Media auch schlechte Erfahrungen?

Anke: Bisher nicht. Im Gegenteil – immer mehr Frauen kommen dazu und teilen ihre Geschichten. Auch Angehörige schreiben mir und sagen: „Danke, dass man sieht, wie es einem Paar in dieser Situation geht.“ Das ist so wichtig.

Instagram: @about_ankea

Herzlichen Dank für deine offenen Worte!

 

Info-Box: Jährlich erkranken in Deutschland rund 6.700 Frauen neu an Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom). Etwa eine von 74 Frauen ist im Laufe ihres Lebens betroffen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 68 Jahren; einige seltene Formen treten jedoch auch bei jungen Frauen und sogar Kindern auf.* Zum Vergleich: Brustkrebs ist mit etwa 74.500 Neuerkrankungen pro Jahr deutlich häufiger – etwa eine von acht Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens.**

* Quelle: Krebsdaten.de – Eierstockkrebs
** Quelle: Krebsdaten.de – Brustkrebs